Wie Greifenhain zu zwei Kirchtürmen kam und Eschefeld seinen "verzockte"

Kirche Greifenhain
Dem Herrn von Eschefeld gefiel nichts besser als das Würfelspiel. Auch Ritter Kunz von Greifenhain war diesem Spiel hold. So manche Nacht saßen sie am Würfelbrett und sahen und hörten nicht, was um sie herum geschah.

Eines Nachts während der Ernte spielten sie wieder mit der gewohnten Emsigkeit. Da zog ein schweres Gewitter auf. Der Donner krachte, die Blitze durchschnitten die Nacht, doch die beiden Spieler merkten nichts davon.

Plötzlich stürzte ein Knecht in die Stube. "Edle Herren, bei uns und auch in Greifenhain brennt der Kirchturm lichterloh. Der Blitz schlug in beiden Türmen ein."
"Hm" brummte der Eschefelder Herr, "lasst brennen, wenn's nun einmal brennt" und vertiefte sich weiter in das Spiel.
Doch der Greifenhainer war etwas ängstlicher. Er griff zu seinem Barett und wollte nach dem Feuer sehen. Doch der andere hielt ihn zurück. "Was schert uns das? Lasst es brennen. Ihr könnt es nicht löschen. Kommt, noch ein einziges Spiel. Mein Vorschlag dazu: Ihr setzt den Turm von Greifenhain, und ich den Turm von Eschefeld, ich meine das Geld zum Kirchturmbau. Wer nun gewinnt, der baut sich dann zwei Türme, und der andere darf nie wieder einen bauen."
Der Greifenhainer wollte erst nicht so richtig dran, doch schließlich ließ er sich überreden. Das Spiel ging weiter. Der Eschefelder warf eine Elf. "Nun hilft Euch nur noch eine Zwölf, oder Eure Kirche bekommt nie wieder einen Turm."
Der Greifenhainer nahm darauf ängstlich die beiden Würfel und sagte: "Ha, sechs und sechs sind zwölf! Ich muss ein Sonntagskind sein. Gebt her das Geld zum Bau!"
Der andere grollte: "Heute triffts mich hart, doch das Geld zum Turm werdet Ihr empfangen. Nur würfeln werde ich nicht mehr mit Euch."
So ward das Würfeln ausgesetzt, doch die Freundschaft blieb erhalten.

Als nach zwei Jahren die beiden Türme der Greifenhainer Kirche fertig waren, zahlte der Eschefelder ohne Murren das verlangte Geld.

So ist seit alten Zeiten in Eschefeld kein Kirchturm und es darf, so man der Sage trauen kann, dort auch keiner werden. In Greifenhain hingegen stehen zwei. Sie ragen weit in den Himmel.

Diese Sage wurde von der Stadtverwaltung Kohren-Sahlis übernommmen!