Rittergut Großhermsdorf

Großhermsdorf besaß bis zur Bodenreform 1946 ein Rittergut, welches sich zum Ortszentrum entwickelte. Letzte adlige Besitzer waren die Herren von Stammer. Die Familie lebte nicht mehr in Großhermsdorf, da sie den Landwirtschaftsbetrieb verpachtete. Sie betrachtete die im Gutsbezirk lebenden Bauern und zahlreichen Häusler als Ihre Untergebenen und beanspruchte alle herkömmlichen Privilegien und Sonderrechte. Es stand ihr zu, den Pfarrer und den Lehrer zu berufen und das Recht auf die untere Gerichtsbarkeit.

Rittergut Großhermsdorf
Zwischen den Gutsherren und ihren Pächtern gab es oft Streitigkeiten. Ihnen war die Frage der Betriebsführung gleichgültig, es interessierte sie nur der regelmäßige Eingang der Pachtgelder. Allerdings lehnte sich der Gutspächter Carl Ludwig Müller gegen die Machenschaften auf und verklagte 1841 die eitlen Stammers, weil sie die Zeche prellten.

Fast alle Pächter konnten sich nicht lange halten. Nur Johann Friedrich Oertel, Gutspächter seit 1852, wirtschaftete offensichtlich besser als seine vielen Vorgänger, er konnte bereits 1867 das Gut kaufen. Er machte so gute Einkünfte, dass er seinen beiden ältesten Söhnen jeweils ein Rittergut schenkte. Herrmann Rudolph Oertel erhielt 1886 Großzössen und Max Oertel 1887 Muckern und Neumuckershausen. Der jüngste Sohn Ernst Otto Oertel erbte Großhermsdorf.