Verschiedene Sagen aus dem Röthaischen

Die Sage der Marienkirche
Einst hat ein Schäfer in einem Birnbaum die Mutter Maria erblickt. Als ein erkranktes Tier seiner Herde an der Rinde des Birnbaumes nagte, wurde es wieder gesund. Der Schäfer berichtete den Nonnen eines Leipziger Klosters von dem Mirakel. Diese beschlossen am Ort des Wunders eine Kirche zu Ehren der Jungfrau Maria zu erbauen. Ein Drachen versuchte sie daran zu hindern. Da kam der heilige Georg vorbei und tötete das Untier.


Verschwinden eines Mannes
Als die Gegend um Rötha noch ursprünglich war, rankte sich ein ganzer Kranz von Sagen und Spukgeschichten um markante Punkte im Gelände und Orte, an denen es nicht ganz "geheuer" war.
So wusste jeder, dass in der schwarzen Lache am Groitzschberge Nixen (germanische Wassergeister) hausten. Bisweilen hat man dort ihre Wäsche an der Leine hängen sehen. Sie lebten paarweise, ganz wie die Menschen, und bewohnten die Grotten unter Wasser. Einmal soll der Nök (männliche Nixe) sogar die Hilfe einer weisen Frau für seine greisende Gattin in Anspruch genommen haben: Er klopfte an das Fenster der Röthaer Hebamme und wies sie auf die Frage nach seinem Begehr an mitzukommen. Sie sollte aber unterwegs ja nicht reden, überhaupt keinen Laut von sich geben. Wie sie bis an den Aurand gekommen waren, blinkte ihnen vom Groitzschberge her ein helles Licht entgegen. Schon hatten sie es ziemlich erreicht, da sprang ein großer schwarzer Hund mit tellergroßen, feurigen Augen aus den Büschen, die Hebamme schrie auf vor Schreck und Hund, Licht und Mann waren verschwunden.


Die Kriegskasse der Franzosen
Auch wusste man, dass unter dem Groitzschberge kleine Leute wohnten. Sie kamen in früheren Zeiten manchmal nachts zu Einwohnern von Rötha und forderten sie auf, die Kriegskasse der Franzosen unter dem Berge zu heben. Als man es einmal versucht hatte, kam der Wagen, auf den die Kriegskasse bereits verladen war, ins Rollen und verschwand in der ersten Lache, die keinen Grund hat.
Mehr Glück schien da einem Knecht beschieden zu sein, der vor Jahren am Groitzschberge Schafe hütete. Eines Tages sah er ein blinkendes Etwas im Grase liegen, ging darauf zu und fand eine Goldmünze, so groß wie ein Zwei–Groschenstück. Von da an lag jeden Morgen am gleichen Fleck ein Geldstück für ihn da, das der Knecht regelmäßig an sich nahm. Es blieb erst weg, als er anderen Leuten von seinen Funden erzählte!


Unterirdische Gänge
Man wusste auch von unterirdischen Gängen, die vom Groitzschberge hinüber zum alten Pegauer Amtsgericht, wo einmal ein Kloster gestanden hatte, zum Groitzscher Burgberg führten. Durch letzteren soll Wiprecht von Groitzsch von einem Ende zum anderen geritten sein.


Gestalten am Groitzschberge
Überhaupt spukte es zur Nachtzeit tüchtig am Groitzschberge:
Dort trieben ein dreibeiniger weißer Hase und ein Kalb ohne Kopf ihr Unwesen. Andere wollten einen Schimmel und einen Mann ohne Kopf, ein graues Männchen und eine Frau mit "verkehrtem Gesichte" gesehen haben.

Merkwürdige Gestalten
Am Burgsterl, das ist das links vom Fahrwege von Hain nach Zopen in einer Pleißenschleife gelegene Stück Land, gingen drei Selbstmörder um, deren Leichen dort verscharrt wurden.
Auch ein schwarzer Hund, eine Frau und Mann ohne Kopf sollen dort gesehen worden sein.


Heute ist der ganze Spuk verschwunden. Hätte es niemand vor einhundert Jahren aufgeschrieben, wüsste heute keiner mehr davon.